Navigation

AGWAM: Wasser wird auch für die Schweizer Landwirtschaft knapp

 

Steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge im Sommer werden dazu führen, dass die Landwirtschaft vermehrt auf Bewässerung angewiesen ist. Ausgehend von verschiedenen Szenarien für Klima, Preise und Politik wurde mithilfe von Modellen der Handlungsspielraum der Landwirtschaft ausgeleuchtet und Anpassungsstrategien formuliert.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Klimamodelle projizieren für die kommenden Jahrzehnte steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge im Sommer, was zu einem höheren Wasserbedarf für die Landwirtschaft bei gleichzeitig abnehmender Wasserverfügbarkeit führt. Um hochwertige Kulturen ausreichend bewässern zu können und somit die Erträge zu sichern, wird inskünftig mehr Wasser benötigt. In Gebieten mit geringem Abfluss wird die Wasserverfügbarkeit zunehmend eingeschränkt sein. In diesen Situationen braucht es Strategien, um die Abhängigkeit der Produktion von zusätzlichem Wasser zu vermindern. Das Ziel des Projektes war es, Empfehlungen für den Umgang mit Wasser unter verschiedenen Szenarien für Klima, Preise und Politik auszuarbeiten, und geeignete Strategien zu finden, unter welchen es möglich ist, die Rentabilität zu erhalten, ohne Umweltstandards zu vernachlässigen.

Methoden

Die Fallstudien fanden im Broye-Tal und im Einzugsgebiet des Greifensees statt. Zur Strategieentwicklung wurden zwei Entscheidungsebenen berücksichtigt: die regionale Ebene und die Betriebsebene. Mithilfe eines Modells simulierten die Forschenden auf beiden Entscheidungsebenen die Produktivität und weitere Ziele der Landwirtschaft. Die Ergebnisse dieser Simulation lieferten die Basis, auf der das Forscherteam Lösungen zur regionalen Optimierung generierte. Basierend auf diesen Lösungen wurden drei alternative Strategien entwickelt, die ihren Fokus entweder auf Produktion, Umwelt oder einen Kompromiss haben. Auf der Betriebsebene wurde zusätzlich ein ökonomisches Modell angewendet, um Lösungen mit maximalem Profit und minimalem Einkommensrisiko zu finden.

Eine Life Cycle Analyse bezog weitere Kategorien in die Bewertung der Lösungen mit ein: Erwärmungspotenzial, aquatische und terrestrische Biodiversität und Nährstoffeinträge in Gewässer. Stakeholder aus der Verwaltung, aus Interessensgruppen und aus der Landwirtschaft wurden durch die Diskussion des Vorgehens und der Ergebnisse in den Forschungsprozess miteinbezogen.

Resultate

  1. In trockenen Gebieten der Westschweiz ist der zunehmende Wasserbedarf für die Klimaanpassung der Landwirtschaft zentral. Es braucht ausgewogene, regionale Kompromisse, damit die Produktivität mit möglichst wenigen Konflikten erhalten werden kann.
  2. Durch effiziente Bewässerungstechnologien und angepassten Anbaumethoden und Fruchtfolgen, der Einführung von Wasserkontingenten und der Änderung der Raumordnung können Konflikte vermieden und der Wasserverbrauch vermindert werden.
  3. Einschränkung der Bewässerung und vermehrte Entnahme aus Wasserreservoiren, während die Entnahme aus sensitiven Quellen vermieden oder strikt kontingentiert werden soll.
  4. Preis- und Politikszenarien sind entscheidender für die Betriebsrentabilität als der Klimawandel. Anpassungen können ohne grosse Profitverluste über das Direktzahlungssystem, Kontingentierung oder den Wasserpreis gesteuert werden.
  5. Effizienzsteigerung in der Produktion bleibt vorrangig, soll aber mit Restriktionen kombiniert werden, um den Schutz der Wasserressourcen zu gewährleisten.
  6. In der Greifenseeregion ist eine Änderung in Bewirtschaftung und Kulturartenwahl die effektivere Anpassungsstrategie als eine Änderung der Bewässerung.

Bedeutung

Durch den Klimawandel nimmt die Wasserverfügbarkeit ab und die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen zu, wodurch die Ressource Wasser zunehmend unter Druck gerät. Um negative Umweltfolgen zu vermindern und Konflikte zu vermeiden, liefert das Projekt Empfehlungen und Anpassungsstrategien, die über rein technische Lösungen hinausgehen.

Originaltitel

Wasserbedarf in der schweizerischen Landwirtschaft und nachhaltige Anpassungsstrategien der Land- und Wassernutzung, mit dem Ziel die Auswirkungen des Klimawandels zu entschärfen (AGWAM)

Projektleitung

  • Prof. Dr. Jürg Fuhrer, Forschungsanstalt Agroscope
  • Dr. Pierluigi Calanca, Lufthygiene/Klima, Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART)
  • Dr. Gérard Gaillard, Ökobilanzen, Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART)
  • Prof. Dr. Stefanie Hellweg, Institut für Umweltingenieurwissenschaften, ETH Zürich
  • Dr. Annelie Holzkaemper, Lufthygiene/Klima, Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART)
  • Prof. Dr. Bernard Lehmann, Institut für Umweltentscheidungen, ETH Zürich