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IWAGO: Auf dem Weg zu einer integrativen Wasserpolitik

 

Wasser ist einer der wertvollsten Rohstoffe. Der Mensch erschliesst das Wasser, verteilt und reinigt es und muss Überschwemmungen abwehren. Die nachhaltige Nutzung von Wasser als einer vorrangigen Aufgabe von Politik und Gesellschaft stösst aber auf sehr divergierende Interessen, die optimiert werden müssen.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Das Projekt IWAGO "Integrated Water Governance with Adaptive Capacity in Switzerland" untersuchte Regelungsstrukturen und Prozesse, die eine ganzheitlichere und partnerschaftlichere Vorgehensweise in der Schweizer Wasserwirtschaft fördern. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Schweizer Wasserwirtschaft nämlich auf unterschiedliche Sektoren wie Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Regulierung der Umweltauswirkungen von Wasserkraft und ökologische Aufwertung im Kontext von Hochwasserschutzprojekten ausgeweitet. Dabei wurden Synergiepotentiale zwischen diesen Sektoren oft ausser Acht gelassen. Ausgangspunkt des Projektes war deshalb die in Fachkreisen weit verbreitete Vermutung, dass eine integriertere und konsequentere Ausrichtung des Wassermanagements auf Einzugsgebiete bessere und nicht zuletzt auch kosteneffizientere sowie anpassungsfähigere Lösungen ermöglichen würde. IWAGO identifizierte und mass diese Synergiepotentiale und leitete daraus Strategien für die künftige Entwicklung des Wassermanagements in der Schweiz ab.

Methoden

IWAGO war vor allem ein anwendungs- und praxisorientiertes Forschungsprojekt mit einer transdisziplinären Herangehensweise. So wurden einerseits qualitative empirische Daten aus Literatur- und Dokumentanalyse und Experteninterviews erhoben, andererseits Stakeholder und Praktiker aus Kantonen, Bund und Gemeinden im Rahmen von Workshops und Fokusgruppen einbezogen. Konzeptionell wurde zwischen integriertem Wassermanagement (IWM), das bei der Analyse und Gestaltung von konkreten Wasserprojekten ins Spiel kommt, und integrierter Wassergovernance (IWG) unterschieden, welche die Gestaltung von gesetzlichen Vorgaben, behördlichen Strukturen, Instrumenten und Plattformen zur Förderung einer integrierten Herangehensweise meint. IWM und IWG beeinflussen sich gegenseitig auf vielfältige Weise.

Resultate

Um die verschiedenen Facetten von IWM zu zeigen, wurden sechs unterschiedliche Fallbeispiele untersucht, darunter die 3. Rhonekorrektion, das Beispiel MultiRuz und die Wasserstrategie des Kantons Bern. Die IWG Strategien und Strukturen wurden in neun Kantonen untersucht. In fünf Kantonen wurden schliesslich einzelne Politikinstrumente der Schweizer Wasserwirtschaft analysiert. Die Analyse von IWM und IWG Strukturen in der Schweiz hat gezeigt, dass sich integriertes Vorgehen grundsätzlich bewährt. Die Prioritäten werden klarer gesetzt und effektivere sowie dauerhaftere Lösungen gefunden als bei einer sektoralen Vorgehensweise. Allerdings gibt es nicht das optimale IWM. Je nach Zielsetzung und regionalem Kontext sind unterschiedliche Formen optimal. Für die Schweiz wird deshalb keine Maximalvariante der Integration vorgeschlagen, sondern ein "Schweizer Mittelweg"​, welcher den Kantonen und Gemeinden genügend Freiräume für die Prioritätensetzung und lokale Einpassung lässt. Die Integration im Einzugsgebiet muss nicht flächendeckend umgesetzt werden. Die Analyse hingegen, wo eine Bewirtschaftung gemäss IWM erforderlich und sinnvoll ist, allerdings schon. Dazu ist eine Triage mittels Grobscreening auf nationaler sowie auf kantonaler Ebene vorzunehmen.

Bedeutung für Forschung und Praxis

Besser integrierte Kantone sind anpassungsfähiger und damit robuster bei Veränderungen im Umfeld. Es gibt nicht einen Königsweg, sondern es sind mehrere Wege möglich. Der Austausch unter den Kantonen und das Bewusstsein für die möglichen Reformen sind aber eher gering. Deshalb wird empfohlen, diesen Austausch zu fördern. Neben den generellen Empfehlungen im Synthesebericht des NFP 61 werden in Zusammenarbeit mit der Wasser-Agenda 21 zusätzliche so genannte Praxiswerkzeuge für Wasserfachleute bereitgestellt. Damit besteht eine gute Voraussetzung, dass die Empfehlungen für Bund, Kantone und Gemeinden umgehend aufgenommen werden können.

Originaltitel

Integrierte und anpassungsfähige Wasserpolitik in der Schweiz

Projektleitung

  • Prof. Bernhard Truffer, Cirus, Eawag
  • Dr. Andreas Klinke, Cirus, Sozialwissenschaftliche Abteilung, Eawag
  • Dr. Jörg Balsiger, Institut für Umweltentscheidungen, ETH Zürich
  • Olivier Chaix, BG Ingénieurs Conseils SA
  • Prof. Dr. Stefanie Engel, Institut für Umweltentscheidungen, ETH Zürich
  • Prof. Dr. Thomas Hammer, Interfakultäre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ), Universität Bern
  • Roger Pfammatter, Ernst Basler + Partner AG
  • Prof. Dr. Alain Thierstein, Lehrstuhl für Raumentwicklung, Technische Universität München
  • Felix Walter, Economic Research and Policy Consultancy (ECOPLAN)
  • Dr. Andreas Zysset, Ernst Basler + Partner AG