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WATERCHANNELS: Wasserkanäle – ein Modell für nachhaltige Wassernutzung

 

Wasserkanäle bewässern Wiesen in trockenen Alpentälern schon seit vielen Jahrhunderten. Untersucht wurde deren Nutzen für die Biodiversität und das Nutzungssystem. In Zukunft muss häufiger mit Trockenheit und Wasserkonkurrenz gerechnet werden. Das Projekt hilft Wasserverteilungsfragen anzugehen.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Wasserkanäle bewässern Wiesen in trockenen Alpentälern seit vielen Jahrhunderten. In den letzten Jahrzehnten fanden jedoch grosse Veränderungen statt: Häufig ersetzen Sprinkler die traditionelle Hangberieselung und Wasserkanäle wurden aufgegeben und durch Rohre ersetzt. Auch die genossenschaftlichen Regulierungen der Wassernutzungen veränderten sich oder wurden ganz aufgegeben. Ziel dieses Projektes war es, anhand von Fallstudien die ökologischen und soziokulturellen Auswirkungen der Wasserkanäle aufzuzeigen – und dadurch herauszufinden, wann es sinnvoll ist, Wasserkanäle und die damit verbundene Wiesenbewässerung zu erhalten oder zu reaktivieren. Wegen des Klimawandels und der Nutzungsänderungen muss in Zukunft häufiger mit Trockenheit und Wasserkonkurrenz gerechnet werden. Das Projekt hat – unter Berücksichtigung der Ausgestaltung der Agrar- und Biodiversitätspolitik – deshalb eine wissenschaftliche Basis für Entscheidungsträger geschaffen, um die Wasserverteilungsfragen, die mit der Nutzung von Wasserkanälen verbunden sind, anzugehen.

Methoden

Das Projekt war in vier Teilprojekte unterteilt. Drei Projektteile befassten sich mit den Auswirkungen der Bewässerung auf die Biodiversität bezüglich Wald, Wiesenvegetation und Wiesenvögel. Der vierte Projektteil widmete sich dem Nutzungssystem von Wasserkanälen. Die Datenerhebung bei den Biodiversitätsprojekten basierte vorwiegend auf quantitativen Methoden und beim Gouvernanzprojekt auf qualitativen Methoden.

Resultate

Die Studie zur Biodiversität des Waldes ergab, dass die Bewässerung der Wälder durch Wasserkanäle zu einem höheren Breitenwachstum der Bäume führt. Dies geschieht direkt durch eine höhere Bodenwasserverfügbarkeit und indirekt durch eine höhere Verfügbarkeit von Nährstoffen und Humusbestandteilen. In Fallstudien mit Lärchen und Waldföhren zeigte sich, dass ein plötzlicher Bewässerungsstopp dieses Radialwachstum vermindert. Beide Arten waren allerdings in der Lage sich an die neuen Bedingungen anzupassen und danach wieder rasch zu wachsen.

Bei der Wiesenbiodiversität zeigte sich, dass die Bewässerung mit Sprinklern anstelle von traditioneller Berieselung die Vielfalt der Pflanzen und Schnecken der untersuchten Heuwiesen nicht beeinflusste. Trotzdem hatte der Wandel der Bewässerungstechnik einen Einfluss auf die Pflanzenartenzusammensetzung (höherer Grasartenanteil bei beregneten Wiesen). Mit der Installation von Sprinklern war eine Homogenisierung der Landschaft zu beobachten. Dies könnte auf die intensivere Nutzung zurückzuführen sein.

Die Fallstudie auf der Malser Haide gab keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Bestand von Brutvögeln und der Art der Bewässerung (traditionell oder Sprinkler). Jedoch unterschied sich die Vegetation bewässerter und nicht bewässerter Wiesen im Engadin stark. Die Bestände der Wiesenbrüter gingen vor allem dort dramatisch zurück, wo sich Vegetation und Nutzung am stärksten gewandelt hatten.

Die Gouvernanz-Studie ergab, dass eine nachhaltige Wassernutzung alleine durch das Vorhandensein von Genossenschaften nicht gewährleistet ist. Diese müssen sich öffnen und die tatsächlichen Nutzer einbinden, gemeinsame Aktivitäten ermöglichen und die Wasserverfügbarkeit und den Wasserverbrauch steuern. Integrierte Nutzungsmodelle eignen sich am besten, da sie Aspekte der gemeinschaftlichen Nutzung und die Ökosystemleistungen der Landschaft (Ökologie, Erholung, Identifikation) einbeziehen.

Bedeutung

Wasserkanäle tragen zur Vielfalt der Landschaft und deren Leistungen bei. Bewässerungsart und Landnutzung haben einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Landschaftsleistungen. Die Resultate der Studie tragen zu einem vertieften Verständnis bei, wie solche Leistungen erhalten und optimiert werden können. Gouvernanzstrukturen müssen betroffene Akteure besser als bisher einbeziehen, sich an die steigende Konkurrenz um Wasser anpassen und die Landschaftsqualitäten erhalten.

Originaltitel

Wasserkanäle – ein Modell für nachhaltige Wassernutzung

Projektleitung

  • Dr. Raimund Rodewald, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz
  • Prof. Dr. Bruno Baur, Natur-, Landschafts- und Umweltschutz, Universität Basel
  • Simon Birrer, Schweizerische Vogelwarte Sempach
  • Dr. Andreas Bauder, Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW), ETH Zürich
  • Prof. Peter Knoepfel, Institut de hautes études en administration publique, (IDHEAP), Université de Lausanne
  • Dr. Andreas Rigling, Walddynamik, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Dr. Raimund Rodewald Stiftung Landschaftsschutz Schweiz Schwarzenburgstr. 11 3007 Bern +41 31 377 00 77 r.rodewald@sl-fp.ch

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